Aktionsplan Nanotechnologie 2020 | Nanotechnologie Baden-Württemberg

Aktionsplan Nanotechnologie 2020

Nanotechnologie in der Industrie
2016-09-06

Aktionsplan Nanotechnologie 2020

Für die Bundesregierung spielt die Nanotechnologie in der Frage der Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft eine zentrale Rolle. Vor allem dem Thema Sicherheit in der Nanotechnologie soll verstärkt Beachtung geschenkt werden und Forschungen dahingehend ausgerichtet werden. Bereits heute sind Nanomaterialen nicht nur Innovationsträger, sondern stehen in Zusammenhang mit real existierenden Arbeitsplätzen, insbesondere in Baden-Württemberg.

Aktionsplan Nanotechnologie 2020 beschlossen

Mitte September 2016 ist es endlich soweit: der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingebrachte „Aktionsplan Nanotechnologie 2020“ wird vom Bundeskabinett beschlossen. Damit wird die die wesentliche Grundlage für die Zukunftsfähigkeit der Nanotechnologie in Deutschland gelegt, denn bisher fehlte es an einem einheitlichen bundesweiten Vorgehen. Da Nanomaterialien aber bereits seit einigen Jahren aktiver Bestandteil vom Produkten im Alltag sind, war es wichtig, ressortübergreifende Richtlinien zu definieren. Themen wie Energiewende, Mobilität, Gesundheit, Digitalisierung und Industrie 4.0 werden vereint im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang betrachtet und im Hinblick auf eine sichere und umweltfreundliche Nanotechnologie ausgerichtet. Damit einher geht auch die Förderung deutscher Hersteller von Nanoprodukten, die vor allem in Baden-Württemberg und dem Saarland ansässig sind.
Für Bundesforschungsministerin Johanna Wanka war es ein zentrales Anliegen, die Chancen und Risiken in der Nanotechnologie hinreichend abzuwägen. Gerade in der Medizin ist die Forschung noch ganz am Anfang und hat Potentiale, die noch lange nicht ausgeschöpft sind, beispielsweise bei der verbesserten Verträglichkeit von Implantaten. Allerdings geht damit einher auch die kritische Reflexion möglicher Auswirkungen von Nanopartikeln auf den menschlichen Organismus. Die dahingehende Forschung soll verstärkt in den Fokus rücken, die Überwachung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) übertragen werden. Außerdem soll der gesellschaftliche Dialog zur Nanotechnologie angeregt werden, der aufgrund des Informationsdefizits in Bevölkerung praktisch nicht stattfindet.

 
 

Zur Realisierung der verschiedenen Vorhaben, werden zunächst 190 Millionen Euro freigesetzt, die vor allem den etwa 800 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zugutekommen, die heute im Bereich der Nanotechnologie Forschen und Arbeitsplätze schaffen. Zudem sind ca. 250 weitere Player aus der Industrie begünstigt, ebenso wie rund 1.100 Einrichtungen der Dienstleistung und Wissenschaft und in Verbänden. Damit liegt der Fokus klar auf dem Bereich der forschungsintensiven KMU, denen eine internationale Aus- und Weiterbildung von qualifizierten Fachkräften ermöglicht werden soll.
Der Beschluss des Aktionsplans Nanotechnologie 2020 als Teil der Hightech-Strategie die Bundesregierung verbessert die Zukunftschancen der Nanotechnologie in Deutschland in entscheidendem Maße, da erstmalig das Verhältnis zwischen öffentlicher Forschung, wirtschaftlichen bzw. industriellen Einrichtungen und schließlich überwachenden Stellen auf Bundesebene definiert wird. Durch die so geschaffene gemeinsame Basis ergibt für die ganze Branche Sicherheit in Entscheidungen und somit auch die Bereitschaft, weitere Investitionen zu tätigen und schließlich Arbeitsplätze zu schaffen.

Sicherheit in der Nanotechnologie in Deutschland

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundes und beauftragt, innovative Materialien hinsichtlich ihrer Sicherheit einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen und Regeln zum Schutz von Mensch und Umwelt abzuleiten. In der gemeinsamen Nanoforschungsstrategie 2020 von BAM, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Physikalisch-Technischer Bundesanstalt (PTB) und Umweltbundesamt (UBA) werden diese Maßnahmen zur sicheren und verträglichen Nutzung von Nanomaterialien erstmals einheitlich definiert. Dabei wird der gesamte Produktlebenszyklus betrachtet, also Materialentwicklung, Produktion, Verarbeitung und Nutzung sowie Recycling oder Entsorgung.

Als Teil des Aktionsplans Nanotechnologie 2020 liegt der Fokus hier auf der Ermittlung geeigneter Mess- und Prüfmethoden für Nanoprodukte und der Charakterisierung und Bewertung von Gesundheits- und Umweltrisiken. Der Einsatz von Nanomaterialien als Bestandteil von verschiedensten Werkstoffen (Metalle, Kunststoffe, Keramiken) erfordert neue, zuverlässige und reproduzierbare Messtechnik und -methodik. Diese ist vornehmlich zerstörungsfrei angelegt, damit sie fertigungsbegleitend erfolgen kann, zieht aber auch möglich Schadensereignisse in Betracht.
Erklärtes Ziel ist die wissenschaftlich fundierte Beratung von Politikern auf Bundes- und EU-Ebene, damit Rechtsvorschriften zum Schutz von Mensch und Umwelt entsprechend den Fortschritten in den Materialwissenschaften weiterentwickelt werden können. Weiterhin sollen die Forschungsergebnisse auch an Institutionen und Unternehmen weitergeleitet werden, um Anwendungssicherheit und Umweltverträglichkeit bei der Materialentwicklung und Weiterverarbeitung nachhaltig zu gewährleisten.

Nanotechnologie Baden-Württemberg

Im Zeichen des Aktionsplan Nanotechnologie 2020 wurde von der baden-württembergischen Verbraucherschutz-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) Mitte August 2016 eine Broschüre vorgestellt, die die Nanotechnologie verständlich erklärt und ein Ergebnis des „Nano-Dialog“ zwischen regionaler Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist. Die Nanotechnologie ist in Baden-Württemberg bereits heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, da rund 400 Unternehmen an der Forschung, Entwicklung und Produktion beteiligt sind.
Deshalb war die Herausgabe der Broschüre so wichtig, damit relevante Themenstellungen für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und zum Nachdenken angeregt wird. Hintergrund ist die Befürchtung, dass ähnlich wie bei der Gentechnik, das Nano-Thema an der Bevölkerung vorbeigeht und später die Bedenken und Unsicherheiten in impulsiven oder populistischen Aktionen münden. Bereits jetzt sind Nanomaterialien umstritten, da die Risiken für Mensch und Umwelt noch nicht in dem Maße geklärt sind, wie es bei konventionellen Produkten der Fall ist. Umso wichtiger ist es, sich seitens der Politik von vornherein um Aufklärung zu bemühen.
Neben den Arbeitsplätzen vor allem in Baden-Württemberg und dem Saarland, hängt deutschlandweit eine ganze Branche an der Akzeptanz von Nanomaterialien in weiten Teilen der Bevölkerung. Die technologischen Vorteile sind so überwältigend, dass man sie aufgrund der sicherzustellenden weltweiten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nicht außer Acht lassen darf. Ein sich Verschließen gegenüber neuer Technologien bedeutet immer, den Anschluss zu verlieren und schadet nachhaltig der Arbeitsmarktsituation im Hochtechnologieland Deutschland.
Leider liegt das bisherige Interesse bei rund 75% der Bevölkerung laut Gurr-Hirsch nicht darauf, welche Inhaltsstoffe beispielsweise in Sonnencremes oder anderen Kosmetika verarbeitet werden. Der Hinweis auf nanotechnologisch veränderte Ingredienzen wird daher oft nicht wahrgenommen. So gesehen ist eine Kennzeichnung auch nur dann sinnvoll, wenn sie überhaupt kaufentscheidenden Einfluss hat. Hingegen sollte bei Lebensmitteln, ähnlich der Gentechnik, auf Veränderungen verzichtet werden. Dennoch: die Weichen für eine sichere Nano-Zukunft in Deutschland sind jedenfalls gestellt, jetzt liegt es „nur“ daran, dass sich auch alle damit auseinandersetzen.

 
 

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